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Sars-CoV-2, COVID-19 und Neurologie

Die medizinischen Erkenntnisse über neurologische Störungen, die bei COVID-19 eine besondere Rolle spielen, nehmen rasch zu. Dies ist: Neues aus der Neurologie – Neues für Karlsruhe!

Ein neuer Virus überfällt die Menschheit, genannt Sars-CoV-2 (Sars=schweres akutes Atemwegssyndrom, CoV=Coronavirus – corona=Krone – ist eine Aussehensbeschreibung; und „2“, weil wir den ersten Virus dieser Art von der Sars-Epidemie 2002/2003 kennen). Wir haben keine Immunität, was ihn gefährlich macht, zumal er sich bei hoher Ansteckbarkeit rasch ausbreitet. Nach Erstauftreten und Beginn in China (Wuhan) im Dezember 2019 – deswegen wird die Krankheit Coronavirus-Disease=COVID-19 von „2019“ genannt – hat der Virus nun weltweit alle Kontinente erreicht, die Ausbreitung schreitet weiter fort. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) prognostiziert, dass der Virus wohl „nie mehr verschwindet„.

Weltweit sind (Stand 02.06.2020) mehr als 6,3 Millionen Infizierte und  über 380.000 daran Verstorbene bekannt; die Dunkelziffer ist bisher unklar, 20 bis 40% (und höher) wird geschätzt. In Deutschland kennen wir 182.028 gemeldete Fälle, pro Tag steigt diese Zahl derzeit um weniger als 1.000. Die Rate der stationären Behandlungsbedürftigkeit liegt in Deutschland bei 5%, hiervon benötigen 20-30% die Intensivstation. Die Rate der Verstorbenen an den gemeldeten Fällen ist in Deutschland 4,7%, im Vergleich z.B. Frankreich 15,5%, die an den Infizierten ist derzeit bei unklarer Dunkelziffer nur schätzbar, aber liegt wohl zwischen 0,5 bis 0,7%, 0,001% für die Altersgruppe unter 20 Jahre, und ansteigend bis über 10% für Menschen über 80 Jahre. Damit ist dieser Sars-Coronavirus 5- bis 7-mal tödlicher als unsere bekannten Influenza-Grippeviren.

Auch nach wirksamen Eindämmungmaßnahmen muss nun als Folge der Lockerungen mit einem Wiederanstieg der Infizierten, gerechnet werden, spätestens im Herbst und Winter, wenn es wieder kälter und feuchter wird, wir mehr Zeit in geschlossenen Räumen verbringen. Es wird angenommen, dass eine natürliche Ausbreitung sich erst bei einer Durchseuchung von ca. 60% der Bevölkerung einstellt. Selbst in schwer betroffenen Ländern wie Italien oder Spanien geht man aktuell erst von einer Durchseuchung von unter 10% aus.

Die SARS-CoV2-Infektion kann in 30-50% ohne Beschwerden, also asymptomatisch, aber auch mit akut lebensbedrohlichen Komplikationen einhergehen. So kennen wir vor allem akutes Lungenversagen (acute respiratory distress syndrome=ARDS), schwere Lungenentzündungen, Nieren- und Multi-Organversagen. Deswegen sprechen neuere Erkenntnisse (z.B. Universitätskliniken Hamburg) aus Untersuchungen an Verstorbenen nicht mehr von einem Lungen-Virus sondern von einem „Multiorgan-Virus„, es ist folglich von einem gleichzeitigem Befall vieler Organe auszugehen.

Der Virus ist in der Lage in das Nervensystem einzuwandern, was ihn gefährlich macht, weil er z. B. den Hirnstamm und das Atemzentrum befallen kann, die Berichte hierüber häufen sich.

Inzwischen sind viele neurologische Beschwerden bekannt, die nach dem Zeitpunkt des Auftretens während der COVID-19-Krankheit – früh, verzögert oder nach der Infektion – zu unterscheiden sind. Diese möchte ich kurz beschreiben.

Typische neurologische Symptome bei Beginn können sein:

  • Kopfschmerzen ca. 20 %
  • Geschmacks- und Geruchsstörung 47 bis 88 % (je nach Studie) Anmerkung: dies inb. bei jungen 20-30-jährigen, ansonsten asymptomatischen Patienten und Frauen>Männer
  • Erschöpfung/Fatigue ca. 8 bis 10 %
  • Muskelschmerzen (Myalgie) ca. 10 bis 30 %

Fast 10 % der COVID-Erkrankten stellen sich mit einem neurologischen Krankheitsbild bzw. einer neurologischen Manifestation direkt bei der Krankenhausbehandlung vor.

Und 36,4 % der COVID-Patienten entwickeln im Verlauf der Erkrankung teils schwere neurologische Komplikationen:

  • Hirnleistungsstörung
  • Bewusstseinsstörung
  • Verwirrtheitszustände (Delir)
  • Atemregulationsstörung
  • epileptische Anfälle
  • Schlaganfall (ischämisch und hämorrhagisch); Anmerkung: Es wurden mehrere Fallserien von Schlaganfallpatienten berichtet, untypisch junge Menschen (< 50 Jahre) ohne jedes vorbekannte Gefäßrisiko!
  • Blutpfropf-Bildung (Thrombosen)
  • Muskelzerstörung

Berichte liegen zudem vor über:

  • Hirnhautentzündung (Meningitis)
  • Hirnentzündung (Enzephalitis)
  • Hirnfunktionsstörung infolge Sauerstoffmangel (hypoxische Enzephalopathie)
  • Schlaganfall-Typ: akute nekrotisierende hämorrhagische Enzephalopathie
  • Gefäßentzündungen (Vaskulitis)
  • Hirnstammentzündung

Inzwischen bekannte Syndrome und Krankheiten als Spätfolge sind:

  • prolongierte Beatmungspflichtigkeit (Weaning)
  • postvirales Erschöpfungssyndrom (chronisches Fatigue-Syndrom)
  • Polyneuroradikulitis i. S. Guillain-Barré-Varianten (GBS)

Um psychische Folgekrankheiten nicht zu vergessen:

  • Posttraumatische Stressbelastungsstörungen (PTSB)
  • Depression und Angststörungen

Inzwischen erfahren viele Populisten, Verwirrte und Rattenfänger in den Medien hohe Aufmerksamkeit – „Infodemie“ genannt. Bei Interesse nutzen Sie bitte als Infoquelle das Robert-Koch-Institut. Die „Tiefe“ der Daten ist für Europa ziemlich einmalig; diese zu verstehen, benötigt es aber auch teils hohes Sach- und Fachwissen.

Kurz, um Verschwörungsapologeten zu begegnen: genetische Untersuchungen widersprechen einem Ursprung in einem chinesischen Labor, also einer willentlichen Manipulation durch Menschen; natürliche Mutationen, also genetische Veränderungen bei der Virusvermehrung, ist wohl die Ursache.

Zusatz zu Alzheimer folgt in Kürze.