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Sars-CoV-2, COVID-19 und Neurologie

Die medizinischen Erkenntnisse über neurologische Störungen, die bei COVID-19 eine besondere Rolle spielen, nehmen rasch zu. Dies ist: Neues aus der Neurologie – Neues für Karlsruhe!

Ein neuer Virus überfällt die Menschheit, genannt Sars-CoV-2 (Sars=schweres akutes Atemwegssyndrom, CoV=Coronavirus – corona=Krone – ist eine Aussehensbeschreibung; und „2“, weil wir den ersten Virus dieser Art von der Sars-Epidemie 2002/2003 in Asien kennen). Wir haben keine Immunität gegen ihn, da er uns unbekannt ist, was ihn gefährlich macht, zumal er sich bei hoher Ansteckbarkeit vorwiegend durch Aerosole und Tröpfchen der Atemluft rasch ausbreitet. Nach Erstentdeckung in China (Wuhan) im Dezember 2019 – deswegen wird die Krankheit Coronavirus-Disease=COVID-19 von „2019“ genannt – hat der Virus weltweit alle Kontinente erreicht, die Ausbreitung schreitet weiter fort. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) prognostizierte im März bereits zurecht, dass der Virus nie mehr verschwindet, wir werden mit „ihm“ leben müssen. Neuere Ergebnisse zeigen, der Virus entwickelte eine Mutation, der das Eindringen in eine Zelle wohl erleichterte, aber – zum Glück – die Schwere der Krankheit nicht veränderte. Der wichtigste Übertragungsweg sind Aerosole und Tröpfchen mit Viren in der ausgeatmeten Luft.

Weltweit sind inzwischen (Stand 22.09.2020) von den über 31 Mill. bekannt Infizierten 975.104 verstorben. Die Dunkelziffer Verstorbener ist hoch, aber weiter unklar. Daten von Vergleichsstudien zur Übersterblichkeit, also mehr Verstorbene als in den Jahren zuvor, belegen dies unverkennbar, gleichwohl unterschiedlich in den europäischen Ländern. In Deutschland war die Übersterblichkeit nur im April mit 10 % erkennbar; zum Vergleich: Schweden, Italien und Spanien lagen über mehrere Monate um 40 % erhöht.

In Deutschland kennen wir 9.409 Verstorbene bei aktuell 275.927 gemeldeten Infizierten. Pro Tag steigen die Infizierten inzwischen wieder deutlich über 1000. Die Rate der stationären Behandlungsbedürftigkeit liegt bei 15 %. Gemäß einer Studie von 920 deutschen Kliniken bei über 10.000 COVID-Fällen benötigten 17 % eine Beatmung auf Intensivstation wovon die Hälfte (53%) starben; die Gesamt-Todesrate=Mortalität war 22 %.

Die Rate der Verstorbenen an den gemeldeten Fällen ist 3,6 % in Deutschland, im Vergleich z.B. Frankreich 15,5 %; die an den Infizierten ist bei noch unklarer Dunkelziffer nur schätzbar, aber liegt wohl zwischen 0,5 bis 1,0 %, bedeutet 0,001 % für die Altersgruppe unter 20 Jahre und ansteigend bis über 10 % für Menschen über 80 Jahre. 85 % der Verstorbenen waren älter als 69 Jahre. Damit ist dieser Sars-Coronavirus 5- bis 10-mal tödlicher als unsere bekannten Influenza-Grippeviren. Wir können uns jedoch glücklich schätzen, dass die Todesrate nicht höher ist, wie z.B. beim Nipah-Virus in Malaysia in 1999 mit 40-75 % (!), der Anlass zum Hollywood-Thriller Contagion (2011) gab: Sehenswert!

Nach den wirksamen Eindämmungmaßnahmen im März und April sehen wir als Folge der Lockerungen einen zunehmenden Wiederanstieg der Infizierten, zunächst noch lokal, aber es muss wie z.B. in Kroatien oder Spanien, aktuell (Anfang September) in Frankreich – auch mit größeren Ausbrüchen gerechnet werden. Die Gefahr rückt auch durch Leichtsinn näher. Und spätestens im Herbst, wenn es wieder kälter und feuchter wird, wir mehr Zeit in geschlossenen Räumen unter Menschen verbringen, wird es gefährlicher werden und die Ansteckungszahlen wohl breiter ansteigen.

Es wird angenommen, dass die Ausbreitung sich erst bei einer sogenannten Durchseuchungrate von ca. 60 % der Bevölkerung abflacht und zunehmend einstellt. Selbst in schwer betroffenen Ländern wie z.B. Italien, UK oder Spanien geht man aktuell jedoch von einer Infiziertenquote von unter 10 % aus. Erste Daten aus Deutschland (Juli 2020) offenbaren Raten von 7,7 % in Kupferzell und 6 % in Bad Feilnbach – Dunkelziffer: 3,9 bzw. 2,6-mal mehr Infizierte wurden erkannt. Die allgemeine Durchseuchung ist folglich weit entfernt, sie kann kein Ziel einer Pandemie-Strategie sein. Auch deswegen benötigen wir eine Impfung.

Der Anteil präsymptomatischer Übertragungen, im Mittel zwei Tage vor Symptomen, wird auf 45% der Gesamtzahl an Übertragungen beziffert und die höchste Infektiosität besteht im Zeitraum um den Symptombeginn herum.

Die SARS-CoV2-Infektion kann in 30 bis 50 % ohne Beschwerden sein, also asymptomatisch. Dass diese Definition problematisch ist zeigt: bei gezieltem Nachfragen und Wissen um die Infektion gemäß Studien in Bad Feilnbach und Kupferzell waren es nur 16,8 bzw. 14,6 %. Man geht bei 81 % von einer milden und in 19 % von schweren Verlaufsform aus, d.h. die Infektion kann mit lebensbedrohlichen Komplikationen einhergehen.

So kennen wir vor allem akutes Lungenversagen (acute respiratory distress syndrome=ARDS), schwere Lungenentzündungen (Pneumonie), Herzentzündung (Myokarditis), Gefäßgerinnsel (Thrombosen), Nieren- und Multi-Organversagen. Deswegen sprechen Erkenntnisse (z.B. Universitätskliniken Hamburg) nach Untersuchungen an Verstorbenen nicht mehr von einem „Lungen-Virus“ sondern von einem „Multiorgan-Virus“, es ist von einem gleichzeitigem Befall vieler Organe auszugehen.

Der Virus ist in der Lage über Ausschwemmung aus der Lunge, oder über die Nasenschleimhaut und das Riechsystem über diese Nerven (=axonaler Transport) in das Gehirn einzuwandern, was ihn gefährlich macht, weil er auch – weit bemerkenswerter – Hirnstamm und Atemzentrum befallen kann; die Berichte hierüber häufen sich.

Mikroskopische Untersuchungen an Gehirnen von COVID-19 Verstorbenen zeigen zudem – höchst ungewöhnlich – viele Mikroinfarkte mit Blutgerinnseln und das Vorhandensein von Sars-CoV-2 in der innersten Wandschicht der kleinen Gefäße, was eine Entzündung (Vaskulitis/Endothelitis) bedeutet, weswegen diese bei Blutgerinnselbildung Gefäße verstopfen und Infarkte versursachen.

Inzwischen sind viele neurologische Beschwerden bekannt, die nach dem Zeitpunkt des Auftretens während der COVID-19-Krankheit – früh, im Verlauf oder nach COVID – zu unterscheiden sind. Diese werden hier kurz beschrieben.

Typische neurologische Symptome bei Beginn können sein:

  • Kopfschmerzen (10-20 %)
  • Geschmacks- und Geruchsstörung (15-88 % je nach Studie) Anmerkung: dies insb. bei jungen 20-30-jährigen, ansonsten asymptomatischen Patienten und Frauen>Männer
  • Erschöpfung/Fatigue (26-50 %)
  • Hirnleistungsstörungen
  • Muskelschmerzen (17-36 %)

Etwa 10 % der COVID-Erkrankten stellen sich mit einem manifesten neurologischen Krankheitsbild bei der Krankenhausbehandlung vor.

Bei krankenhauspflichtigen Patienten entwickeln 36 % der COVID-Patienten – in einer neuen Studie aus Spanien waren es sogar 57,4 % – im Verlauf der Erkrankung – teils schwere –neurologische Komplikationen:

  • Hirnleistungsstörungen
  • Bewusstseinsstörungen (ca. 20 %)
  • Verwirrtheitszustände (Delir)
  • Atemregulationsstörung
  • generalisierte epileptische Anfälle
  • Schlaganfall, ischämisch und hämorrhagisch; Anmerkung: Es wurden mehrere Fallserien von Schlaganfallpatienten bei untypisch jungen Menschen (<50 Jahre), ohne vorbekanntes Gefäßrisiko, beschrieben.
  • Muskelzerstörung (Rhabodomyolyse)

Berichte liegen zudem vor über:

  • Hirnhautentzündung (Meningitis)
  • Hirnentzündung (Enzephalitis)
  • Folgen von Sauerstoffmangel (hypoxische Enzephalopathie, oft frontotemporal)
  • Folgen des „Zytokinsturms“ (septische Enzephalopathie)
  • Schlaganfall, auch i.S. akut nekrotisierende hämorrhagische Enzephalopathie (ANHE)
  • Gefäßentzündungen (Vaskulitis und lymphozytische Endotheliitis) mit Mikroembolien, die Mikroinfarkte verursachen
  • Akute nekrotisierende Enzephalopathie (ANE)
  • Akute disseminierte Enzephalomyelistis (ADEM)
  • Posteriore reversible Enzephalopathie (PRES)
  • Vaskulitis mit Antimyelin-Oligodendrozyten-Glycoprotein-Antikörper
  • Hirnstammentzündung
  • Akute nekrotisierende Rückenmarksentzündung (Myelitis)
  • Sinus-Venen-Thrombose (SVT)
  • Neurokardiogene Synkope
  • Störung des autonomen Nervensystems (Dysautonomia)
  • Akute entzündliche demyelinisierende Polyneuropathie (AIDP)

Inzwischen bekannte neurologische Syndrome in Folge von COVID-19 sind:

  • anhaltende Beatmungspflichtigkeit (Weaning)
  • Erschöpfungssyndrom (Fatigue-Syndrom)
  • Polyneuroradikulitis i. S. Guillain-Barré-Syndrom-Varianten (GBS)
  • anhaltende Riech- und Geschmacksstörungen
  • Hirnleistungsstörungen („Brain-Fog“)

Um psychische Folgekrankheiten nicht zu vergessen:

  • Posttraumatische Belastungsstörungen (PTSB)
  • Depression und Angststörungen (ca. 35%)
  • Schlafstörungen

Eine Nachbeobachtungsstudie an als geheilt entlassenen Patienten (Durchschnittsalter 56 Jahre, durchschnittliche Dauer der stationären Behandlung 13,5 Tage) in Rom/Italien zeigt, dass nach zwei Monaten noch 87 % unter mannigfaltigen Beschwerden leiden. Und auch bei leicht Erkrankten sind inzwischen anhaltende Beschwerden, teils lebensbeeinträchtigend, bekannt. Erste Annahmen schätzen 10 bis 15 % der Infizierten mit langfristigen gesundheitlichen Schäden, z.B. Vernarbungen der Lunge. Dies bedeutet eine erhebliche und zunehmende Zahl an chronisch betreuungsbedürftigen Patienten.

Leider erfahren viele Fanatiker, kranke Skeptiker und Rattenfänger in den „sozialen“ Medien hohe Aufmerksamkeit – Infodemie“ von den Vereinten Nationen (UN) genannt. Bei Interesse nutzen Sie bitte als Informationsquelle das Robert-Koch-Institut (RKI). Die Breite und Tiefe der Daten und die Erklärungen dort ist für Europa ziemlich einmalig. Diese zu verstehen, benötigt es allerdings teils hohes Sach- und Fachwissen, weswegen wohl auch journalistische Schlagzeilen nicht selten unzutreffend sind oder falsch zitieren.

Um Verschwörungsapologeten zu begegnen: genetische Untersuchungen widersprechen unzweideutig einem Ursprung in einem chinesischen Labor in Wouhan/China, also einer willentlichen Manipulation durch Menschen. Natürliche Mutationen, also genetische Veränderungen bei der Virusvermehrung, ist erkennbar die Ursache.

Die attackierte Leiterin des Instituts, ihr Spitzname ist „Bat-Women“, da sie sich seit 15 Jahren, sie studierte in Montpellier/Südfrankreich, mit den Viren, die von Fledermäusen übertragen werden, beschäftigt, entgegnete die Vorwürfe ausführlich und erwartet – wie ich meine zurecht – eine Entschuldigung für die rein politisch motivierten Angriffe von US-Präsident Trump. Ja, es ist noch schlimmer, Forschungsgelder einer mehrjährigen Arbeitsgruppe mit US-Wissenschaftlern, die genau das untersucht und vorhergesehen hatten wurden im April – absurd – von Trump gestrichen. Populistisch-demagogische Ehrsucht regiert die USA und gefährdet und tötet das Leben vieler Menschen.