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Alzheimer-News (07/2019): Meine Buchliste

Erfahrungen mit erstaunten Patienten als Neurologe in Karlsruhe veranlassen mich, Ihnen meine kommentierte Alzheimer-Buchliste zu präsentieren.

Alle Bücher möchte ich jeweils kurz beschreiben, um Ihnen eine persönliche Auswahl zu erleichtern, dass Sie Interessierendes weiter nachlesen können.

Um einzelne Aussagen in den Büchern, die Sie vielleicht überraschen, zu verstehen, kann ich nur raten die angegebenen Studien, fast immer nur in englischer Sprache, nachzulesen, um die spezielle Anwendung, Bedeutung, Wichtigkeit und auch die Einschränkungen der Ergebnisse besser zu begreifen. Man muss sich im Klaren sein, dass Studien eine vorgegebene Struktur haben und zwingend in der Interpretation der Daten zu beachten sind, da die Wirklichkeit natürlich kein Studiendesign“ ist. Ohne biomathematisches Verständnis dieser Hintergründe bleiben für den Laien oft Unklarheiten. Dennoch, da alle Bücher weit mehr als 100 Quellen angeben, lohnt sich das Studium – wenn man Zeit findet!

Die Liste werde ich ständig weiter mit neu gelesenen ausbauen.

Die Bücher verdeutlichen zudem, dass in den USA bereits viele Kliniken etabliert sind, die Alzheimer behandeln und zudem eine fundierte Präventionspolitik in der Breite der Gesellschaft verfolgen.

Deutschland verschläft bisher leider diese Entwicklung. Ausnahmen sind für eine begrenzte, kleine Patientenzahl einige Universitätskliniken. Wir werden erkennbar, beginnend in 10-15 Jahren, das Fehlen einer breiten, politisch unterstützten Präventionskampagne sehr teuer bezahlen. Bereits 2013 wendeten sich 109 Alzheimer-Experten mit einem Aufruf an die Staatenlenker der G8-Konferenz: Prävention der Demenz sollte zu einem Hauptiel nationaler Gesundheitspolitik gemacht werden. Hören Sie etwas? Deswegen nun hier meine Buchliste in alphabetischer Reihe:

  • Amen, Daniel E.: Memory Rescue (2018)
    Er ist einer der in den USA bekanntesten und einflussreichsten Psychiater, vielfacher Bestseller-Autor und leitet 8 Klinken in der Behandlung von Hirnleistungsstörungen. Bekannt wurde er vor 10 Jahren mit der Darstellung eines nach den Tode gespendeten Gehirn eines bekannten NFL-Spielers, der lange unter vielen psychischen Beschwerden litt. In 2017 sorgte sein Team in der New York Times für weitere Furore mit der Beschreibung von 111 Hirnen verstorbener Spieler. In diesem Buch nun trägt er 30 Jahre Erfahrungen in der Behandlung von Hirnleistungsstörungen zusammen. Anhand von Fallbeispielen erläutert er sein umfassendes Konzept „BRIGHT MINDS“, übersetzbar a.e. mit „klarer Geist“. Hinter jedem Buchstaben steckt ein Therapiebaustein, z.B. „B“ für Blutfluss oder „I“ für Inflammation (=Entzündung). Nicht einfach zu lesen für den Laien, richtet sich das Buch doch eher an Personen mit bereits ansehnlichem Fachwissen, da es sehr viele Quellenangaben besitzt und ansehnliche Therapietipps listet.
  • Bredesen, Dale E.: The Alzheimer Revolution (2017)
    Ein gutes und auch für Laien verständliches Buch, das die Zusammenhänge der Entwicklung von Alzheimer auf neurowissenschaftlicher Basis nachvollziehbar darstellt. Darüber hinaus erklärt er viele Therapie- und Vorbeugungsmöglichkeiten. Wie kann das Gehirn wieder gesünder werden und/oder gesund bleiben? Hierzu werden 4 diagnostische Typen des Alzheimer differenziert beschrieben, die seiner Ansicht nach die Huptursachen sind. Für mich ist es ein zentrales Buch, da er mit seinem Ansatz bereits in seiner ersten Veröffentlichung 2014 dem schulmedizinischen Dogma: „Man kann nichts tun!“ wohl begründet widersprach. Dies Buch listet seine Behandlungserfolge – jeder Patient benötigte sein spezielles Therapieprogrammm – von mehr als 100 Patienten auf. Inzwischen etablierte er ein Weiterbildungsinstitut um weltweit sein Wissen zu verbreiten. Dies Buch ist übersetzt und heißt „Die Alzheimer-Revolution“ (2018).
  • Buettner, Dan: The Blue Zones (2014)
    Ein Wissenschaftsjournalist, der vor etwa 10 Jahren im Auftrag von National Geographic die fünf Regionen der Welt mit Forschern besuchte, wo viele Menschen, die älter als 100 Jahre (Centenarians) sind, leben. Dies Buch – leider nicht übersetzt ins Deutsche – berichtet über seine vielen Reisen und die wissenschaftlichen Erkenntnisse nicht nur betreff der Besonderheiten der verschiedenen „Blue Zones“. Es bemüht sich zudem einen „Cocktail“ für ein gesundes und langes Leben abzuleiten. Wie dies wohl auf Karlsruhe übertragbar ist? Ich bemühe mich täglich.
  • Isaacson Richard: Alzheimer´s Treatment Alzheimer´s Prevention (2012)
    Dies Buch basiert zwar auf dem Wissensstand 2012, was bereits etwas zurückliegt, jedoch beschreibt es gut verständlich und einfach die weiterhin aktuelle multimodale Behandlungsmethode: jeder Patient braucht sein eigenes Therapieprogramm. Und er protokolliert und erläutert nachvollziehbar Schritt für Schritt sein praktisches Vorgehen, ob dies Medikamente, Sport, Ernährung, Hirnleistungstraining oder soziale Aktivitäten sind. Der Autor führt dies als Neurologe bereits seit vielen Jahren erfolgreich durch, zunächst in einer Praxis in Florida, seit 2013 leitet er in New York die Alzheimer´s Prevention Clinic. Man würde sich eine solche Klinik in Karlsruhe wünschen. Er darf als einer der praktisch Erfahrensten auf diesem Gebiet gelten. Einfach zu lesen, da auch in Großdruck, jedoch leider nicht in Deutsch erhältlich.
  • Jens, Inge: Langsames Entschwinden (2016)
    Dies Buch ist Allen ans Herz zu legen, Jungen wie Älteren! Die Autorin, Ehefrau von Walter Jens, berichtet offen und berührend die nicht geringen Belastungen einer pflegenden Ehefrau im täglichen Leben im Umgang mit dem psychischen und physischen Niederganges eines der  bemerkenswertesten deutschen Rhetoriker und Literaten des letzten Jahrhunderts. In meinen jungen Erwachsenenjahren bewunderte ich ihn als weisen Sprachakrobat. Aus fachlicher Sicht ist dies Buch zudem bemerkenswert, weil es in typischer Weise, für die Neurologie hervorzuheben, den exakten Hirnleistungsabbau im Unterschied zu Alzheimer-, der Pick-Demenz oder der Lewy-Body-Demenz veranschaulicht. Ein Buch, dem ich viele Leser wünsche.
  • Sherzai, Dean & Ayeshia: The Alzheimer Solution (2017)
    Das Ehepaar begann in der Forschung auf dem Gebiet Neurologie zur Alzheimer-Krakheit. Beide arbeiten seit Jahren an der Loma-Linda Universität in Kalifornien. Dort ist eines der von Dan Buettner beschriebenen “Blue Zones” mit vielen über Hundertjährigen. In der täglichen Arbeit erlebten beide die beträchtlichen Unterschiede in Lebensstil und Gesundheit zwischen den Adventisten in Loma-Linda und den nur 20 km weiter, in San Bernadino, Lebenden. Die dort typische US-amerikanische Lebensweise erhöht nachweislich das Risiko und Sterberate an allen modernen Erkrankungen, z.B. Diabetes mellitus, Herz- und Hirninfarkte, Bluthochdruck und Alzheimer aber auch Immunerkrankungen wie MS; alle sind vielfach dort häufiger. Sie beschreiben in ihrem Buch die umfassende neurorehabilitative Behandlung in der Therapie von Menschen mit Alzheimer und Hirnleistungsstörungen, aber auch für die Prävention von Alzheimer. Zudem werden viele der Aussagen mit Quellen und Studienangaben versehen. Dies ist ein sehr fundiertes Buch für an wissenschaftlichen Grundlagen interessierten Leser. Inzwischen liegt eine Übersetzung „Die Alzheimer-Lösung“ (2019) vor.
  • Stemmler M, Kornhuber J: Demenzdiagnostik (2018)
    Das erste umfassende Buch in deutscher Sprache zum komplexen Erscheinungsbild und der erforderlichen fachspezifischen umfassenden Differentialdiagnostik der Demenzen mit Schwerpunkt auf die speziellen Hirnleistungsstörungen. Insofern richtet sich das Buch an den Fachkundigen, speziell den Diagnostiker. Die Kapitel über Prävention und Behandlung fallen leider kurz aus, dennoch werden erfolgreiche wichtige Studienergebnisse beschrieben. Beide Autoren sind renommierte Lehrstuhlinhaber an der Universität Erlangen.
  • Tyrone JT, Sabbagh, MN: Fighting for My Life (2019)
    Dies ist die bewegende Geschichte einer Alzheimer-Betroffenen, anfangs jungen Frau, die mit langjährigen Beschwerden lange falsch als Multiple Sklerose eingestuft wurde bevor sich offenbarte, dass sie Trägerin des Alzheimer-Gens APOE 4 ist. Dies führte sie auf jahrelange Suche nach Hilfe. Zunächst wurde sie abgewiesen mit dem Hinweis, dass es „Nichts“ gäbe. Sie gab nicht auf und fand endlich Unterstützung bei dem Zweitautor. Er ist Alzheimer-Forscher und öffnete sich in den Jahren seiner Tätigkeit als Neurologe zunehmend den vielfältigen Ursachen und den Möglichkeiten durch Änderungen im Lebensstil dieser Krankheit zu begegnen. Als Leiter des Center of Brain Health der Cleveland Clinic wendet er sein Wissen täglich in der Behandlung von Hirnleistungsstörung an. Ein einfach zu lesendes Buch, sehr prsönlich, ergreifend, ohne besonders lange oder komplexe Wissenschaftserklärungen.
  • World Health Organisation (WHO): Global action plan on the public health response to dementia 2017-2015
    Bereits in einer der epochemachenden Veröffentlichung in 1976 von Robert Katzman, einem US-amerikanischen Demenzforscher, beschrieb dieser die Entwicklung vorausblickend als „a major killer“. Wer über den Tellerrand hinausschauen möchte, sich mit der weltverändernden Bedeutung von Alzheimer beschäftigen möchte, ist dieser WHO „action plan“ zu empfehlen. Ich rate dies insbesondere jüngeren Erwachsenen, um sich im Klaren zu werden, wie dies in diesem Jahrhundert die Welt ändern wird.
    Um nur eine Zahl zu nennen: in 2015 waren 47 Millionen Menschen betroffen, für 2050 werden 135 Millionen Alzheimerkranke erwartet. Es ist nicht unbegründet zu vermuten, dass die Politik, wie bei der Klimakatastrophe, auch hierbei versagen wird.Wichtiger Link für weitere Informatiionen: www.alz.org
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