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Alzheimer-Meine Buchliste

Häufige Erfahrungen mit erstaunten Patienten als Neurologe in Karlsruhe veranlassten mich, Ihnen meine Alzheimer-Buchliste zu präsentieren.

Alle Bücher möchte ich jeweils inhaltlich kurz beschreiben, um Ihnen eine persönliche Auswahl zu erleichtern, dass Sie Interessierendes weiter nachlesen können. Noch ist Vieles ist neu für die Neurologie, auch für Karlsruhe.

Um einzelne Aussagen in den Büchern, die Sie vielleicht überraschen werden, wirklich zu verstehen, muss ich raten, die angegebenen Studien, leider fast immer in englischer Sprache, nachzulesen. Erst im Durchdenken der jeweiligen Vorgehensweise, die immer Einschränkungen zeigen, können allgemeine Erkenntnisse, spezielle Anwendungen und deren Wichtigkeit aus den Ergebnissen nachvollzogen werden. Dies macht es für mathematisch Unbedarfte schwer. Man muss sich im Klaren sein, dass medizinischen Studien mit Menschen komplexen, wissenschaftlichen Leitlinien folgen, vorgegebene biostatistische Strukturen haben und zwingend in der Interpretation der Daten zu beachten sind. Die Wirklichkeit unseres Lebens ist kein Studiendesign! Dies wird oft meiner Einschätzung nach ignoriert. Ohne biomathematisches Verständnis dieser Hintergründe bleiben für den Laien meist große Unklarheiten. Auch ich stosse nach über 30 Jahren Studieren dieser Abläufe regelmäßig auf Verständnisprobleme, die oft genau das Manko einer Studie ist. Dennoch, da alle Bücher Fachwissen weit mehr als 100 Quellen angeben, lohnt sich das Studium auch ohne tiefes Eintauchen in die Daten.

Die Liste werde ich ständig mit neu gelesenen Büchern ausbauen. Die Bücher verdeutlichen zudem, dass in den USA bereits seit einigen Jahren sich Kliniken etabliert haben, die Alzheimer nicht nur behandeln, sondern zudem eine fundierte Prävention Betroffener, z.B. weil genetisch oder durch erkrankte Eltern risikobelastet, betreuen.

Deutschland „verschläft“, so scheint es mir, bisher diese Entwicklungen. Ausnahmen sind für eine begrenzte, kleine Patientenzahl einige Universitätskliniken. Diese, so meine Erfahrungen mit Patienten, die dort waren, beschränken sich weitgehend auf die Demenz-Diagnostik. Eine ganzheitliche Behandlungsempfehlung wir versäumt. Wir werden wohl beginnend in 10 Jahren das Fehlen einer breiten, politisch unterstützten Präventionskampagne gesellschaftlich teuer bezahlen. Bereits 2013 wendeten sich 109 Alzheimer-Experten mit einem Aufruf an die Staatenlenker der G8-Konferenz in London: Prävention von Alzheimer bzw. Demenz sollte zu einem Hauptziel nationaler Gesundheitspolitik gemacht werden. Was ist passiert?

Deswegen nun hier meine Buchliste. Seit 2020 habe ich neue Bücher jeweils oben einfügt, damit Sie es einfacher haben, die Liste zu verfolgen.

  • Frederiksen, Kristian Steen; Waldemar, Gunhild (Eds.): Management of Patients with Dementia – The Role of the Physician (2021)
    Es ist ein ganz aktueller schulmedizinischer Überblick über die Aufgaben und Möglichkeiten in Diagnostik und Behandlung von Demenz-Erkrankten.
  • Gundry, Stephen: The Energy Paradox (2021)
    Aufbauend auf seinen vorherigen Bestseller-Büchern betont er aus evolutionärer Sicht zunächst die Bedeutung eines gesunden Darmes mit einer gesunden Darmflora (Mikrobiom), erinnert an Hippokrates: „Alle Krankheiten beginnen im Darm„, und beschreibt ausführlich die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse, die zu einem einem „Leaky Gut“ (löchriger Darm) führen. Der antike Leitgedanke wird mit neuem Leben und vielen Vermerken belebt, wie Jeder den Darm wieder heilen kann. Dies führt, so durch Fallbeschreibung mit belegt, zur Wiedererlangung von Energie und Leistungsfähigkeit im Alltag.
  • Bredesen, Dale E.: The First Survivors of Alzheimer´s (2021)
    Hier kommen sieben seiner ersten Patienten zu Wort, die ihre Leidens- und vor allem ihre Gesundungsgeschichte erzählen, die mittels des multitherapeutischen personalisierten Therapiekonzeptes, das der Autor in seinem ersten Buch ausführlich erläuterte (s.u. „Die Alzheimer Revolution“), behandelt wurden. Sehr bemerkenswert ist, alle waren bereit, erhebliche Lebensstiländerungen vorzunehmen und: US-Amerikaner sind offensichtlich problemlos bereit mehr als 20 oder 30 unterschiedliche Pilllen jeden Tag einzunehmen. Mein Eindruck ist, dass dieses „Sich-selbst-optimieren“ etwas in den USA kulturell eingewoben Alltägliches ist, weil eben der persönliche Erfolg so viel zählt. Das Buch macht aber auch deutlich, mit hoher Disziplin kann man nicht geringe Hirnleistungsstörungen deutlich bessern.
  • Filippi, Massimo; Agosta, Federica: Imaging Dementia (2021)
    Ein Buch für jeden Fachmann, der die Zuordnung von demenziellen Krankheitsbildern zu den möglichen (Haupt-)Krankheitsursachen mittels Bildgebungen benötigt. Das Buch leitet in die bekanntesten Demenz-Bilder, Alzheimer, und Vaskuläre Demenz, Frontotemporale und Lewy-Körper-Demenz kurz ein. Hierauf folgen die Krankheitsbilder im Einzelnen mit der Datenlage zur Diagnosesicherung per MRT und PET; alles sehr gut nachvollziehbar dargestellt.
  • Gibbs, Daniel; Barker, Teresa H.: A Tattoo on my BrainA Neurologist´s Personal Battle against Alzheimer´s Disease (2021)
    Eine  berührende Geschichte wie ein Neurologe selbst an sich die Diagnose Alzheimer bei APOE4/4 völlig überraschend feststellen musste. Ein Credo, das sich fast mantrahaft durch viele Kapitel zieht ist sein Aufruf, jetzt etwas zu tun in der Vorbeugung von Alzheimer bevor es zu spät ist, da wir die nächsten 10 Jahre wohl kaum ein Medikament erfinden werden, das die KRannkheit heilt. Zudem, er beschreibt als Teilnehmer einer Studie, die zur Zulassung führte, seine Erfahrungen mit dem Medikament Aducanumab (Aduhelm), bzw. seine erheblichen Nebenwirkungen (ARIA: s.mein Blog), die ihn zu einem Notfall mit Krankenhausbesuch machten. „Tattoo“ meint hier nämlich die Eisenablagerungen als Folge von Einblutungen in sein Gehirn. Ein lesbares Buch in jeder Hinsicht, hoffentlich wird es übersetzt.
  • Newberg, Andrew; Monti, Daniel A.: Brain Weaver: Creating the Fabric for a Healthy Mind Through Integrative Medicine (2021)
    Beide Autoren arbeiten gemeinsam an der Jefferson University, wo sie „integrative“ ganzheitliche Medizin den Studenten lehren – im Übrigen die einzigste us-amerikanische Hochschule, die dieses Konzept als neues Lehrparadigma bereits seit Jahren mit großem Erfolg und Zustimmung vermittelt: Neurowissenschaften mit Körper-Geist-Verbindung („mind-body function“) als Funktiongesamtheit zu verstehen lernen, um Gehirngesundheit ein Leben lang zu ermöglichen. Es steht hier Vorbeugung, Gesunderhaltung, insbesondere das Gehirn betreffend, im Mittelpunkt. Prophylaxe kennen wir bereits, aber bisher ignorieren wir das Gehirn als das wichtigste Organ des Körpers, das über mehr als 20 Jahre krank ist, bevor erste Beschwerden bemerkt werden. Das bekannte Modell für Gesundheit, biologisch, psychologisch und sozial („bio-psycho-soziale Modell„) wird hier bemerkenswert erweitert durch „spititual health“. Erst diese 4 Faktoren gemeinsam, so führen es die Autoren mit vielen Daten unterlegt aus, begründen „Optimal Brain Health“. Ein Buch, einfach zu lesen, für alle wirklich empfehlenswert, die in diesem Feld arbeiten.
  • Bredesen, Dale E.: The End of Alzheimer´s Programm (2020)
    Dies ist ein Nachfolgebuch von The Alzheimer Revolution (s.u.) in dem nach einer kurzen theoretischen Einführung vor allem sehr, sehr viele therapeutische Überlegungen beschrieben werden, die sein ReCODE-Programm bilden. Es ist ein Buch für den Pratiker einer „ganzheitlichen“ Neurologie, für den Laien m.E. zur Selbsthilfe nicht geeeignet, da man „den Wald vor lauten Bäumen“ nicht erkennt,. Es braucht einen personalisierten Behandlungsplan eines sepezialisierten Neurologen. Diesen ist das Buch ans Herz zu legen.
  • Lipman, Frank; Claro, Danielle: The New Rules of Aging Well (2020)
    Der Autor ist ein über 30 Jahre erfahrener Arzt in „Funtional Medicine„, New York, der in diesem Buch einen großen Überblick darstellt, dass eben nicht „eine Pille“ hilft, sondern es ist der richtige, gesunderhaltende Gesundheitsstil, ein Mix verschiedener Lebenstilfaktoren. Es ist zudem ein schönes Buch, gut gebunden mit überschaubarem Text auf einer Seite, was den Leser anregen und nicht überfordern soll. Insofern ist es ein Buch das sich an Laien, Betroffene, deren Angehörigen und vor allem an Menschen richtet, die frühzeitig dem Gespenst Alzheimer aus dem Wege gehen möchten. Sehr zu empfehlen, wenn Sie Englisch lesen können.
  • Sterlin, Peter: What is Health? (2020)
    Das Buch ist ein beeindruckend weitergespannter Überblick über Theorien der Gesundheit auf Basis einer mehr als 30jährigen Forschungskarriere als Neurowissenschaftler. Es begründet tiefgehend sein bereits vor vielen Jahren entwickelte Theorie der „Allostasis“ (1988), die weit über die altbekannte Theorie der „Homöosthase“ hinausgeht. Nicht passives Anpassen, sondern „predictive regulation“ ist unsere biologische Natur. Ein faszinierendes Buch für Interessierte, die für den großen Rahmen unseres Daseins offen und neugierig sind.
  • Medina, John: Brain Rules for Aging Well (2017)
    Mittelpunkt der Darstellungen in diesem leicht zu lesenden Buch ist die Annahme, dass wir ein „Social Brain“ besitzen, also grundsätzlich im Kontakt mit anderen Menschen gesunderhaltend Lernen und Leben. Unser Gehirn entwickelte aus anthroplogischer Sicht im engen Zusammensein mit anderen Personen, in Kleingruppen und in ständigen täglichen sozialen Interaktionen. Es „liebt“ quasi fundamental den Austausch mit anderen Menschen, insbesondere mit geliebten, denn dies bedeutet „Düngemittel“ und Dopaminausschüttungen als Belohungsstoff. Umgekehrt bedeutet Alleine sein oder ständiges Beschäftigen im Alter mit Krankheit und Beschwerden eine „selbsterfüllende Prophezeihung„, rascher zu altern und früher zu sterben. Dies Buch wurde ins Deutsche übersetzt und heißt: „Brain Rules fürs Älterwerden
  • Gundry, Steven: Das Paradox des langen Lebens (2019)
    Rasch wurde sein neues Buch ins Deutsche übersetzt. Der Autor wandelte sich interessanterweise vom Herzchirurgen zum Ernährungsmediziner. In diesem Buch schägt er einen größeren Bogen und kommentiert den „Mis-Match“ unseres modernen Lebens, das nicht zu unserer Biologie passt. Er begründet hierauf die Pandemie der modernen Zivilisationskrankheiten vor allem Autoimmunkrankheiten, und basierend auf diesem Wissen beschreibt er eine notwendige Lebensstiltherapie, Ernährung spielt bei ihm natürlich die Hauptrolle. Nur dieses Vorgehen könne, so der Autor, grundsätzlich heilen, da moderne Medizin nur repariere und nicht an die Ursachen gerichtet ist. Ein einfach zu lesendes Buch, direkt an Betroffene, weniger an Fachleute, gerichtet.
  • Bredesen, Dale E.: The End of Alzheimer´s Programme (2020)
    Im Untertitel offenbart Dale Bredesen konkreter den Inhalt seines neuen Buches: „The Practical Plan to Prevent and Reverse Cognitive Decline at Any Age„. Dies ist ein sehr detaillreiches Buch, das mit Unterstützung seiner Frau entstand und über 300 Seiten sehr umfangreich ist. Es beginnt mit einer Einteilung in eine ursächliche Alzheimer-Typisierung je nach der zugrunde liegenden Stoffwechselstörung. So unterscheidet Bredesen in die Typen „sweet„, „hot„, „cold„, „toxic„, „vascular“ oder „traumatic„. In der Realität bei den Patienten ist es fast immer jedoch ein Mix von zwei oder mehr Typen, nicht nur einer. Fast die Hälfte des Buches beschreibt diätetische Optionen je nach diagnostischen Ergebnissen und sehr, sehr viele Nahrungsergänzungsstoffe. Es folgen kurze Kapitel z.B. zu Themen Sport, Schlaf, Stress und sozialen Faktoren. Das Buch kann vor allem Fachleuten empfohlen werden, die Patienten mit Demenzen betreuen. Der Laie wird von der Fülle der vielen Hinweise wohl eher verwirrt und es ist deswegen m.E. nicht als Selbsthilfe anzuraten. Bemerkswert fand ich zudem, dass er nun die „Cognoscopy“, also eine Hirnleistungstestung bereits ab dem 45., nicht mehr erst ab dem 50. Lebensjahr jährlich empfiehlt. Dies spiegelt die derzeitige Datenlage besser wieder was ja den jahrelangen Vorlauf betrifft, bis Kranke erste Beschwerden merken.
  • Permutter, David and Austin; Loberg, Kristin: Brain-Washed (2020)
    Hauptautor David P. ist ein inzwischen in Rente befindlicher, bekannter US-amerikanischer Neurologe, der über 20 Jahre eine prophylaktische Medizin in eigener Praxis verfolgte und nun gemeinsam mit seinem Sohn sein geballtes Erfahrungswissen zu den vielen Ursachen des vorzeitigen Hirnleistungsabbaus hier zusammenfasst. Es ist ein Buch, das in Anbetracht der vielen Erklärungen für den Laien zwar eine gute theoretische Grundlage ist, sich aber nicht zur zielgenauen Selbsttherapie eignet. Immerhin, es wurde rasch übersetzt und lässt sich im Deutschen gut lesen, der Titel heisst: „Blöd im Kopf?“ (2020).
  • Barzilai, Nir: Age Later (2020)
    Der Autor ist Direktor des Institutes für Altersforschung am Albert Einstein College of Medicine in New York. Er begleitet eine große Kohorte von über 100-jährigen bereits seit mehr als 25 Jahren wissenschaftlich. Die Ergebnisse dieser Forschung fasst er erstmals in diesem Buch zusammen, deswegen ist der Untertitel des Buches zurecht „Health Span, Life Span and the New Science of Longevity“. Ein sehr spannendes Buch, macht jedoch deutlich, das ein sehr großer genetischer Faktor für dies „Centenarians“ zutrifft, denn diese Menschen leben wie andere und sind keine Gesundheitsapostel. Im Gegenteil sind sie sehr familienorientiert und lebensbejahend. Der Autor beschreibt die Stoffwechselauffälligkeiten, die inzwischen zu einer intensiven Suche nach Medikamenten führte. Er selbst ist auch Mitgründer einer Firma. Ziel ist es z.B. chronische Entzündung zu mindern, die energetische Kontrolle in Mitochondrien zu verbessern oder das Immunsystem zu verbessern, was auffällige Merkmale dieser Hochaltrigen ist. Man darf sehr gespannt sein, wann die ersten Medikamente auf den Markt kommen.
  • Perlmutter, David: Alzheimer´s – The Science of Prevention (2019)
    Dies ist eine online-Zusammenstellung von mehr als 20 Interviews mit Experten in verschiedenen Bereichen, die für die Ursachen der Krankheit und somit auch für das Vorbeugen von Alzheimer eine besondere Rolle spielen. Eine bemerkenswert aufwendige Arbeit mit vielen Fachleuten, die ich bereits teilweise in meiner Buchliste schon aufführte. Wer Englisch gut versteht kann in wenigen Tagen das aktuell (Ende 2019) umfassende Wissen erfahren.
  • Amen, Daniel E: Memory Rescue (2018)
    Er ist einer der in den USA bekanntesten und einflussreichsten Psychiater, vielfacher Bestseller-Autor und leitet 8 Klinken in der Behandlung von Hirnleistungsstörungen. Bekannt wurde er vor 10 Jahren mit der Darstellung eines nach den Tode gespendeten Gehirn eines bekannten NFL-Spielers, der lange unter vielen psychischen Beschwerden litt. In 2017 sorgte sein Team in der New York Times für weitere Furore mit der Beschreibung von 111 Hirnen verstorbener Spieler. In diesem Buch nun trägt er 30 Jahre Erfahrungen in der Behandlung von Hirnleistungsstörungen zusammen. Anhand von Fallbeispielen erläutert er sein umfassendes Konzept „BRIGHT MINDS“, übersetzbar a.e. mit „klarer Geist“. Hinter jedem Buchstaben steckt ein Therapiebaustein, z.B. „B“ für Blutfluss oder „I“ für Inflammation (=Entzündung). Nicht einfach zu lesen für den Laien, richtet sich das Buch doch eher an Personen mit bereits ansehnlichem Fachwissen, da es sehr viele Quellenangaben besitzt und ansehnliche Therapietipps listet.
  • Bredesen, Dale E: The Alzheimer Revolution (2017)
    Ein gutes und auch für Laien verständliches Buch, das die Zusammenhänge der Entwicklung von Alzheimer auf neurowissenschaftlicher Basis nachvollziehbar darstellt. Darüber hinaus erklärt er viele Therapie- und Vorbeugungsmöglichkeiten. Wie kann das Gehirn wieder gesünder werden und/oder gesund bleiben? Hierzu werden 4 diagnostische Typen des Alzheimer differenziert beschrieben, die seiner Ansicht nach die Huptursachen sind. Für mich ist es ein zentrales Buch, da er mit seinem Ansatz bereits in seiner ersten Veröffentlichung 2014 dem schulmedizinischen Dogma: „Man kann nichts tun!“ wohl begründet widersprach. Dies Buch listet seine Behandlungserfolge – jeder Patient benötigte sein spezielles Therapieprogrammm – von mehr als 100 Patienten auf. Inzwischen etablierte er ein Weiterbildungsinstitut um weltweit sein Wissen zu verbreiten. Dies Buch ist übersetzt und heißt „Die Alzheimer-Revolution“ (2018).
  • Buettner, Dan: The Blue Zones (2014)
    Ein Wissenschaftsjournalist, der vor etwa 10 Jahren im Auftrag von National Geographic die fünf Regionen der Welt mit Forschern besuchte, wo viele Menschen, die älter als 100 Jahre (Centenarians) sind, leben. Dies Buch – leider nicht übersetzt ins Deutsche – berichtet über seine vielen Reisen und die wissenschaftlichen Erkenntnisse nicht nur betreff der Besonderheiten der verschiedenen „Blue Zones“. Es bemüht sich zudem einen „Cocktail“ für ein gesundes und langes Leben abzuleiten. Wie dies wohl auf Karlsruhe übertragbar ist? Ich bemühe mich täglich.
  • Isaacson, Richard: Alzheimer´s Treatment Alzheimer´s Prevention (2012)
    Dies Buch basiert zwar auf dem Wissensstand von 2012, was bereits etwas zurückliegt, jedoch beschreibt es gut verständlich und einfach die weiterhin aktuelle, multimodale neurorehabilitative Behandlungsmethode: jeder Patient braucht sein eigenes Therapieprogramm. Zudem protokolliert und erläutert er nachvollziehbar Schritt für Schritt sein ärtzliches, praktisches Vorgehen, ob dies Medikamente, Sport, Ernährung, Hirnleistungstraining oder soziale Aktivitvierungen sind. Der Autor führt dies als Neurologe bereits seit vielen Jahren erfolgreich durch. Er begann in seiner Praxis für Neurologie in Florida, seit 2013 leitet er in New York die Alzheimer´s Prevention Clinic. Man würde sich eine solche Klinik in Karlsruhe wünschen. Er darf als einer der Erfahrensten Neurologen in den USA auf diem Gebiet gelten. Es ist einfach zu lesen, da in Großdruck, jedoch nicht in Deutsch erhältlich.
  • Jens, Inge: Langsames Entschwinden (2016)
    Dies Buch ist Allen ans Herz zu legen, Jungen wie Älteren! Die Autorin, Ehefrau von Walter Jens, berichtet offen und berührend die nicht geringen Belastungen einer pflegenden Ehefrau im täglichen Leben im Umgang mit dem psychischen und physischen Niederganges eines der  bemerkenswertesten deutschen Rhetoriker und Literaten des letzten Jahrhunderts. In meinen jungen Erwachsenenjahren bewunderte ich ihn als weisen Sprachakrobat. Aus fachlicher Sicht ist dies Buch zudem bemerkenswert, weil es in typischer Weise, für die Neurologie hervorzuheben, den exakten Hirnleistungsabbau bei krankhaftem Gefäßprozess im Unterschied zu Alzheimer-, Pick- oder der Lewy-Body-Demenz veranschaulicht. Ein Buch, dem ich sehr viele Leser wünsche.
  • Kitwood, Tom: Demenz – Der personen-zentrierte Ansatz im Umgang mit verwirrten Menschen (2019)
    Dieses Buch ist ein grundlegendes Werk für Menschen, die Demenzkranke betreuen und pflegen. Sehr beeindruckt war ich von der sehr detaillierten Beschreibung von entwürdigenden Pflegeverhalten, er nennt das „maligne und bösartige Sozialpsychologie“. Viele der modernen Betreuungskonzepte basieren auf diesem Buch, insofern ist diese Lektüre allen Betroffenen, die Patienten täglich betreuen, zu lesen anzuraten.
  • Sherzai, Dean & Ayeshia: The Alzheimer Solution (2017)
    Das Ehepaar begann in der Forschung auf dem Gebiet Neurologie zur Alzheimer-Krakheit. Beide arbeiten seit Jahren an der Loma-Linda Universität in Kalifornien. Dort ist eines der von Dan Buettner beschriebenen “Blue Zones” mit vielen über Hundertjährigen. In der täglichen Arbeit erlebten beide die beträchtlichen Unterschiede in Lebensstil und Gesundheit zwischen den Adventisten in Loma-Linda und den nur 20 km weiter, in San Bernadino, Lebenden. Die dort typische US-amerikanische Lebensweise erhöht nachweislich das Risiko und Sterberate an allen modernen Erkrankungen, z.B. Diabetes mellitus, Herz- und Hirninfarkte, Bluthochdruck und Alzheimer aber auch Immunerkrankungen wie MS; alle sind vielfach dort häufiger. Sie beschreiben in ihrem Buch die umfassende neurorehabilitative Behandlung in der Therapie von Menschen mit Alzheimer und Hirnleistungsstörungen, aber auch für die Prävention von Alzheimer. Zudem werden viele der Aussagen mit Quellen und Studienangaben versehen. Dies ist ein sehr fundiertes Buch für an wissenschaftlichen Grundlagen interessierten Leser. Inzwischen liegt eine Übersetzung „Die Alzheimer-Lösung“ (2019) vor.
  • Stemmler, M. und Kornhuber, J.: Demenzdiagnostik (2018)
    Das erste umfassende Buch in deutscher Sprache zum komplexen Erscheinungsbild und der erforderlichen fachspezifischen umfassenden Differentialdiagnostik der Demenzen mit Schwerpunkt auf die speziellen Hirnleistungsstörungen. Insofern richtet sich das Buch an den Fachkundigen, speziell den Diagnostiker. Die Kapitel über Prävention und Behandlung fallen leider kurz aus, dennoch werden erfolgreiche wichtige Studienergebnisse beschrieben. Beide Autoren sind renommierte Lehrstuhlinhaber an der Universität Erlangen.
  • Tyrone JT, Sabbagh MN: Fighting for My Life (2019)
    Dies ist die bewegende Geschichte einer Alzheimer-Betroffenen, anfangs jungen Frau, die mit langjährigen Beschwerden lange falsch als Multiple Sklerose eingestuft wurde bevor sich offenbarte, dass sie Trägerin des Alzheimer-Gens APOE 4 ist. Dies führte sie auf jahrelange Suche nach Hilfe. Zunächst wurde sie abgewiesen mit dem Hinweis, dass es „Nichts“ gäbe. Sie gab nicht auf und fand endlich Unterstützung bei dem Zweitautor. Er ist langjähriger Alzheimer-Forscher und öffnete sich in den Jahren seiner Tätigkeit als Neurologe zunehmend den vielfältigen Ursachen und Möglichkeiten durch Änderungen im Lebensstil dieser Krankheit zu begegnen. Als Leiter des Center of Brain Health der Cleveland Clinic wendet er sein Wissen täglich in der Behandlung von Hirnleistungsstörung an. Ein einfach zu lesendes Buch, sehr persönlich, ergreifend, ohne besonders lange oder komplexe Wissenschaftserklärungen. Leider nicht in Deutsch.
  • Sinclair, David: Lifespan (2019)
    Ein bemerkenswertes Buch, das sehr fundiert und begründet ein weiteres Dogma zum Wackeln, wenn nicht sogar zum Einsturz bringt: Altern ist nicht normal sondern eine Krankheit! Dies ist seine fundamentale These, unterlegt von mehr als 20jähriger wissenschaftlicher Arbeit in der Altersforschung. Ja: Hirnabbau ist nicht notwendig. Der Harvard-Professor fasst seine bisherige Forschungsarbeit zusammen. Basierend auf dem Verlust der Information durch umwelt- bzw. verhaltenbedingte epigenetische Beeinträchtigungen unseres Gencodes in den Zellen, belegt er bereits in Tierstudien, dass Alterung zurückzudrehen ist. Durch einen „freigeputzten“ Zugriff auf die erhaltenen genetischen Informationen können Zellen wieder viele Jahr verjügt werden. Nein, dies ist wirklich keine Fiktion, sondern bereits seit Jahren neuer wissenschaftlicher Fortschritt. Der Gedanke, dass unser Leben regelhaft mehr als 100 Jahre dauern kann, wird nun immer greifbarer. Sie werden völlig erstaunt sein. Bitte unbedingt lesen! In Deutsch übersetzt heisst der Titel „Das Ende des Alterns“.
  • World Health Organisation (WHO): Global action plan on the public health response to dementia 2017-2015
    Bereits in einer der epochemachenden Veröffentlichung in 1976 von Robert Katzman, einem US-amerikanischen Demenzforscher, beschrieb dieser die Entwicklung weise vorausblickend als „A Major Killer“. Wer über den Tellerrand hinausschauen möchte, sich mit der weltverändernden Bedeutung von Alzheimer beschäftigen möchte, ist dieser WHO Report: „Risc Reducing of cognitive decline and dementia sehr zu empfehlen. Ich rate dies insbesondere jüngeren Erwachsenen, um sich im Klaren zu werden, wie dies in diesem Jahrhundert unsere Welt ändern wird.
    Um nur eine Zahl zu nennen: in 2015 waren 47 Millionen Menschen betroffen, für 2050 werden 135 Millionen Alzheimerkranke erwartet. Es ist nicht unbegründet zu vermuten, dass die Politik, wie bei der Klimakatastrophe, auch hierbei versagen wird.

Wichtiger Link für viele weitere Informationen ist: www.alz.org