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Wir leben in Symbiose – Mikrobiom und Gehirn

Die beachtliche Vergrößerung unseres Gehirns im Laufe der Evolution ist ohne unsere Mund- und Darmflora nicht vorstellbar.

Das Mikrobiom (= Darmflora) ist unabkömmlich für die Gesunderhaltung des Hirns. Wir nennen manche Kulturen gerne herablassend „primitiv“, aber was das Mikrobiom betrifft, sind sie uns weit voraus: Ihre Darmflora ist an Vielfältigkeit weit größer als bei Menschen der „modernen“ Welt. Warum sollte auch das Tier- und Pflanzensterben nur außerhalb von uns geschehen? Dieser hochmütige Blick übersieht das Massensterben „in uns selbst“. Es ist zu vergleichen mit der zerstöten Flora und Fauna des Barrier Rief. Die Bedeutung des Mikrobioms ist erheblich; wir stehen erst am Beginn, dies zu verstehen.

Das Mikrobiom besteht aus zehnmal so vielen Zellen wie unser Körper, es

  • entnimmt der Nahrung Energie,
  • versorgt uns mit Vitaminen, z. B. Biotin, Folat, Niacin, Retinol und Riboflavin,
  • reguliert unser Immunsystem,
  • schützt vor Keimen,
  • reguliert unseren Nahrungshaushalt (z. B. Glucosemetabolismus) und
  • beeinflusst nachhaltig Gehirn und Verhalten.

Antibiotika, eine segensreiche Erfindung im letzten Jahrhundert, führen – je früher in der Kindheit eingenommen, desto mehr – zu einer Änderung des Nahrungshaushalts und zu Übergewicht durch ein verändertes Mikrobiom. In der Veterinärmedizin ist dies schon lange bekannt: Gaben von Antibiotika lassen Tiere rascher wachsen und insgesamt größer werden.

Die wichtigste Nahrung für unsere bewunderswerte Darmflora sind Ballaststoffe, also Nahrungsanteile, auf denen wir oft lange kauen und die wir ohne unsere „Darmbewohner“ nicht nutzen können. Wenn bestimmte Keime in der Colonflora jedoch ohne diese Ballaststoffe bleiben, werden sie kannibalistisch! Ja, sie beginnen aus Hunger die Schleimhaut des Darms anzuknabbern, was zu dem Syndrom eines löchrigen Darms („leaky gut“) führt. Eigentlich harmlose Keime oder Proteine gelangen nun frei in die Blutbahn und bewirken eine chronische Entzündung im Körper, die subjektiv kaum wahrgenommen wird – allenfalls über Schlafstörungen, Müdigkeit, Nahrungsunversträglichkeiten, Unkonzentriertheit oder Depression. Der Zusammenhang zu explodierenden Zahlen von Autoimmunerkrankungen in den letzten 50 Jahren wird inzwischen immer offensichtlicher.

Und vom „löchrigen Darm“ ist es nur ein kurzer Zeitraum zum „leaky brain“ (zum löchrigen Gehirn). Die Blut-Hirn-Schranke, das Schutzschild des Gehirns, z. B. für Keime im Blut, wird durchlässig wie ein Sieb. Dies beginnt im Bereich des Hippokampus, der wichtigsten Hirnregion für die Gedächtnisbildung. Dieser Gehirnteil schrumpft oft als ein frühes Merkmal einer Demenz. Der Zusammenhang einer zunehmenden Minderung der Hirnleistungen, oft beginnend mit Gedächtnisstörung, und einer zunehmend gestörten Blut-Hirn-Schranke ist inzwischen ebenfalls bei Patienten nachweisbar.

Eine Therapie des Gehirns beinhaltet folglich zwingend auch eine Heilung der Mund- und Darmflora. Wichtige Botschaft ist: Dreck ist gesund! Eine Nahrungsumstellung kann jedoch nur individualisiert – auf jeden Patienten gezielt abgestimmt – erfolgen. Es braucht je nach Dauer der Schädigung mindestens sechs Wochen, um den Darm zu heilen, aber nur zwei bis drei Tage, um das Microbiom mittels „Junk Food“ wieder zu zerstören. Und erst wenn der Darm geheilt ist, gelangen wichtige Nahrungsstoffe sicher zum Gehirn. Vielfach sind deswegen Nahrungsergänzungsstoffe unwirksam – und somit verschenkte Mühe.

Zunehmend bieten sich Prä- und Probiotika als Therapie an. Die Internetforen überschlagen sich mit Produktangeboten, jedoch sind die Produkte ohne eine genaue Analyse des Stuhls sinnlos. Die persönliche Darmflora ist so spezifisch wie ein Fingerabdruck. Dies ermöglicht den Einsatz der passenden, individuell „richtigen“ Prä-  und Probiotika.

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