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Welt-Alzheimer-Tag am 21.09.2019 – Antworten!

Der diesjährige Welt-Alzheimer-Tag fand in der deutschen Presse kaum Beachtung, leider wurde Wichtiges nicht berichtet.

Mit großem Bedauern war zu beobachten, dass am diesjährigen Welt-Alzheimer-Tag, am Samstag den 21.09., dieses Thema in Funk und Presse nur sehr geringe Beachtung fand. Weder in der Frankfurter Allgemeinen noch der Süddeutschen Zeitung wurde der Anlass aufgegriffen und auch hier in Karlsuruhe, in den Badischen Neuesten Nachrichten und der Sonntagszeitung, wurde das Thema leider vergessen. Mit Kopfschütteln sah ich einen ZDF-Heute-Abendnachrichtenbeitrag von 2 Minuten zum diesjährigen Welt Alzheimer Tag, der Anekdotisches, Klischees und Stigmata Demenzkranker leider wiederholte aber Wichtiges völlig aussließ. Manches ist neu im Fachgebiet Neurologie, das ich folgend darstellen möchte:

  • Auf dem Demenz-Forum am 15. Mai in Stockholm – deutsche Meinungs- und Würdenträger waren nicht anwesend – sagte die schwedische Königin Silvia. “Dementia is one of the largest, most complex and challenging health issues facing humanity today. Therefore, it fills me with hope to see the commitment that exists for this cause.” Ich hoffe Sie verstehen, was dies übersetzt aus höchster Kunst diplomatischer Rhetorik in Normalsprache etwa bedeutet: Wir stehen vor einem gesundheitspolitischem Desaster und ich bin froh, dass es erste gemeinsame Anstrengungen gibt.
  • Auf diesem Forum wurden die neuesten WHOEmpfehlungen, Risc Reduction of Cognitive Decline and Dementia vorgestellt. WHO-Generaldirektor Dr Ghebreyesus sagte: „These guidelines show that there are many things that we can all do to reduce the risk of dementia and cognitive decline later in life.”
  • Die Forscher sind sich einig: 1/3 der Demenzfälle könnten verhindert, 2/3 der Fälle können bei adäquatem Einsatz über Jahre aufgeschoben werden.
  • Als Folge der erfolgreichen finnischen FINGER-Study, die wirksam viele Patienten mit Hirnleistungsstörungen in nur 2 Jahren verbessern konnte, gibt es nun ein weltweites Netzwerk, World Wide Fingers ,mit dem Ziel diese Studie in vielen Ländern zu wiederholen, um Menschen betreff des HIrnleistungsabbaus zu therapieren; Deutschland steht mal wieder am Rande.

    Hierzu weitere Fakten, denn am 21.09. wurde von der ärztlichen Fachgesellschaft Alzheimer´s Disease International der neue World Alzheimer Report 2019 vorgelegt; hieraus nur Weniges:
  • 1 in 4 people think that there is nothing you can do about dementia
  • 2 out of 3 think dementia is caused by normal ageing
  • 62% of healthcare practitioners think that dementia is a normal part of ageing
  • 85% of respondents living with dementia stated that their opinion had not been taken seriously
  • 40% of the general public think doctors and nurses ignore people with dementi

    Und weiter:
  • in Deutschland verdreífachte sich die Erkranktenzahl innerhalb von nur 15 Jahren auf 1,7 Millionen
  • unser Sozialsystem entwickelt sich vom Arbeitnehmer-zu-Rentner-Verhältnis 3:1 auf 1,5:1 zu
  • wir haben bereits jetzt einen Pflege-Notstand und Ärztemangel
  • Ärzte, auch meine Generation, werden ungenügend in Altersmedizin ausgebildet, das Fach ist kein Pflichtausbildungsfach
  • Was passiert wohl, wenn wir voraussehbar über 3 Millionen Alzheimer-Erkrankte in Deutschland zählen?

    Zu Forschungsdaten, da auch über diese oft illusorisch falsch positiv berichtet wird:
  • 99 % der medikamentösen Forschungsstudien der letzten 20 Jahre sind betreff Therapie von Alzheimer gescheitert
  • in 2019 wurden erneut 4 Studien auf ungenügender „Amyloid-Theorie“ vorzeitig abgebrochen
  • etwa 90 % der Studien basieren auf der „goldener Schuss“-Hypothese, die bedeutet „eine-Diagnose=eine Therapie“, die leider zu simpel ist, kein ernsthafter Forscher glaubt daran, weswegen sie scheitern muss
  • die Pharmaindustrie, Aktienunternehmen auf Gewinn verpflichtet, pushen dies weiter, in Hoffnung mit „statistisch signifikanten“ Ergebnissen viel Geld zu verdienen
  • es werden noch mehrere Jahre vergehen bis ein wirksames Medikament gefunden wird, das bei den richtigen Patienten einsatzbereit ist

Alles dies – und noch vieles mehr – von aktuellen, offiziellen und dramatischen Zahlen wird kaum klar berichtet. Die Welt und Deutschland stehen erkennbar und absehbar vor einem dramatischen, gesundheitlichem und sozialem Problem, aktuell weitgehend unbeachtet.

Um ihre Schäfchen besorgte Politiker wissen dies spätestens seit einem dringenden Appell an die G8-Staatenlenker, London am 11.12.2013, von über 100 Alzheimer-Wissenschaftlern. Sie forderten auf, dies Thema zu einem Hauptthema nationaler Gesundheitspolitik zu machen. Hören Sie etwas bei uns? Unsere Politik versagt wissentlich! Seit dem verstorbenen CDU-Politiker Phillip Missfelder meldet sich niemand mehr, der den Blick in die Zukunft richtet und darauf hinweist was dies für die junge Generation der jetzt 20-40jährigen bedeutet: leere Sozialkassen! Wenn die SPD aktuell die Vollpflegeversicherung propagiert ist das m.E. bewusste Ablenkungspolitik, da zudem nicht bezahlbar. Bereits jetzt kostet ein Pflegeplatz mehr als 3.000.-€/Monat. Die fehlenden Kosten tragen letzlich die Sozialämter der Städte, die bereits aktuell völlig überschuldet sind. Aus diesen Gründen sollte Prophylaxe spätestens mit 40 Jahren beginnen, da Alzheimer mehr als 20 Jahre vor ersten Beschwerden beginnt.

Auf meine Beschwerdebriefe reagierten bisher ZdF und Badisches Tagblatt nicht.

Die ARD-Redaktion antwortete per email wie folgt: „So haben wir im vergangenen Jahr über den Welt-Alzheimer-Tag in der Tagesschau-Ausgabe um 12 Uhr berichtet. In diesem Jahr fiel der 21. September auf einen Samstag. Am Wochenende haben wir bis auf die Hauptausgabe fast ausschließlich kurze Sendungen. In der Hauptausgabe ist die Berichterstattung über die Fußball-Bundesliga fester Bestandteil der Sendung. Leider bleibt dann kaum Zeit für weitere Themen. In diesem Fall waren bestimmende Themen der Sendung die Reaktionen auf die Klimaschutz-Beschlüsse der Bundesregierung, der Jugend-Klimagipfel in New York und Kritik auf eine Entscheidung des Landgerichts Berlin im Fall von Hasskommentaren gegen die Grünen-Politikerin Künast.“

Die BNN meint: „Es gibt wenige Gesundheitsthemen, die so einhellig im Fokus der journalistischen Arbeit stehen wie eben dieses. Wir sind mit vielen unserer Gesprächspartner aus Medizin, Forschung und Pflege der Überzeugung, dass eine nachhaltige ernsthafte Beschäftigung dem Thema am besten gerecht wird.

Der SWR schreibt: „Darin [mein Brief] behaupten Sie irrtümlich, der SWR habe diesen Anlass „ignoriert“, ich verweise höflich auf unseren diesbezüglichen Nachrichtenbeitrag in SWR aktuell desselben Tages mit dem Inhalt: „Am Hertie-Institut für klinische Hirnforschungn in Tübingen erforscht Mathias Junker, wie man Alzheimer möglichst früh erkennen kann, denn bisher waren die Methoden dazu sehr aufwendig oder unangenehm für den Patienten. Jetzt wurde ein Bluttest vorgestellt“. Ihre weiteren Ausführungen stehen in keinerlei Zusammenhang mit dem SWR-Programm, sodass ich darauf auch nicht näher eingehen kann. Ich darf allerdings davon ausgehen, dass die von Ihnen erwähnten Studien, bzw. Erhebungen den Fachredaktionen des SWR bekannt und Teil des redaktionellen Duskussionsprozesses sind.“

Es bleibt aus meiner Sicht bedauerlich, dass nicht ausreichend und umfassend berichtet wurde, was der Welt-Alzheimer-Tag ist und wofür er jährlich stattfindet und was er für Deutschland und die Welt in den nächsten Jahrzehnten bedeuten wird.

Aber was denken Sie?

Hier die sehr gute Homepage der Alzheimer´s Association mit vielen Informationen: https://www.alz.org/


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