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Welt-Alzheimer-Tag 21.09.2020

Heute ist wieder Welt-ALAzheimer-Tag. TRotz Pandemie

Nichtdestotrotz anhaltender Sars-CoV2-Pandemie bitte ich den 21. Welt-Alzheimer-Tag und Neuigkeiten zum Thema Demenz und Alzheimer zu beachten, die sich wieder hervorzuheben lohnen.

Immer noch glauben viel zu viele Menschen, dass Hirnleistungsstörungen und Demenz ein normaler Teil des Alterns sei. Trotz seit Jahren bekannt steigender Zahl von Betroffenen fehlt es in Deutschland weiter an ausreichenden Unterstützungskonzepten für sie, ihre Familien und insbesondere deren Pflegepersonen. Häufig höre ich, wie dies Thema rasch überspielt wird und immer noch trauen sich viele Menschen nicht, darüber zu sprechen, weil sie – berechtigte – Sorge haben, deswegen ausgegrenzt und diskriminiert zu werden.

“People with dementia are being disproportionately impacted by this pandemic and are in danger of being forgotten. Now more than ever we need to talk about dementia.“ schreibt die Alzheimer`s Disease International. Deswegen ist September Welt-Alzheimer-Monat unter dem Motto: „Let´s talk about Dementia!“


Wußten Sie schon, dass …

  • … die Bundesregierung am 1. Juli 2020 die Nationale Demenz-Strategie beschloß, die am 23.09. der Öffentlichkeit und Presse vorgetragen wurde. Endlich! könnte man jubeln. Bereits über 40 Länder haben Ähnliches jedoch bereits seit Jahren, z.B. die USA seit 2011, Obama´s National Alzheimer’s Project Act (NAPA). Wenn „Gut Ding will Weile haben“ zutreffen würde, wäre es ja verständlich. Unbenommen, insgesamt 150 Seiten umfassend, ist es wichtig, die Versorgung und Teilhabe der Demenz- Erkrankten und die Pflegenden zu unterstützen, selbstverständlich auch, die Forschung zu erweitern. Aber enttäuscht bin ich betreff der geplanten Handlungsmaßnahmen, nur 2 Seiten, zur Demenz-Prävention. So wird eine „ausgewogene Ernährung“ genannt. Dies ist – zumal falsch – ein unbestimmter Begriff den keiner versteht, bzw. man kann Vieles hineinterpretieren. Es lässt Sachverstand vermissen; und auch das Apellieren an „regelmäßige körperliche Aktivität„, ein ebenso inhaltsleerer Begriff und seit über 30 Jahren propagiert, scheitert bekanntermaßen. Man hätte sich Mehr und Genaueres jetzt gewünscht, nicht erst 2022, denn bis dahin soll ein Schulungskonzept erstellt werden. Bedauerlich auch, dass die Gesellschaft für Neurorehabilitation, Ärzte die jeden Tag Patienten mit Hirnerkrankungen behandeln und bessern, gar nicht beteiligt werden. Immerhin wurde ein Hinweis auf die umfassenden WHO-Leitlinien 2019 zur Risikominderung von Hirnleistungsabbau genannt und auf „das große Potenzial der Prävention“ hingewiesen. Es fehlen die daraus abgeleitenen Konsequenzen. Insgesamt bedeutet die ministerielle Vorlage m.E., dass Menschen mit bekannt hohem Risiko, z.B. genetisch Belastete mit PSEN1 oder APOE4 und Menschen mit leichten kognitiven Störungen als Vorlauferkrankheit der Demenz, von der Politik aktuell therapeutisch im Stich gelassen werden. Auch ist nicht beschrieben worden, dass die Alzheimer-Krankheit in drei Phasen unterteilt wird: asymptomatisch, aber mit nacheisbaren Ablagerungen von Beta-Amyoid im Hirn, mit leichten kognitiven Störungen und als Vollbild mit schweren Hirnleistungsstörungen (=Demenz). Folglich ist die deutsche Strategie eher ein „Demenz-Versorgungsplan“. Woher jedoch das viele Geld dafür kommen soll wird nonchalant verschwiegen. Betrüblich zudem, da Prophylaxe immer preisgünstiger ist.
  • … nicht nur Hirnleistungsstörungen, sondern generell Altern als Krankheit betrachtet werden kann? Kühn oder absurd? werden Sie fragen; ich glaube an ersteres. US-amerikanische Forscher -ein wichtiger Vertreter ist David Sinclair und sein Buch „Ende des Alterns“ – haben herausgefunden, dass in unseren Zellen das Genom quasi „verschmutzt“. Ein Durchbruch hierfür war die Erkenntnis des biologischen Alters, das sich vom Alter gemäß Pass um Jahre unterscheiden kann.  Steve Horvath entwickelte eine Messmethode, nach ihm Horvath-Clock genannt. Darauf basierend finden bereits Versuche statt, die eine „Reinigung“ des Genoms und damit eine Verjüngung bewirken. In einzelnen Geweben konnte dies bereits im Tiermodell erfolgreich auch mit dem Wiederherstellen von Zellen nachgewiesen werden. In den USA forschen bereits hieran große Unternehmen, z.B. Google, mit Millardengeldern. M.E wird dies – falls es sich bewahrheiten sollte – die Medizin revolutionieren. Zudem: hier wird der Blick zurecht zentral auf Prävention gerichtet.
  • … gemäß The Lancet-Commission“ 50 % der Alzheimer-Kranken zu verhindern bereits jetzt möglich wäre? Das Experten-Gremium eines der wichtigsten neurologischen Fachjournale berechnete es kürzlich neu in einer überarbeiteten Auflage und deklariert ein „12 risk factor life-course model“ der Prevention. Hierzu gehören z.B. frühe Bildung – was als politischer Auftrag verstanden werden muss – neben bekannten Faktoren wie Bewegungsmangel, Übergewicht oder Zuckerkrankheit auch Alkohol, Schädel-Hirn-Verletzungen und Luftverschmutzung hervor. Wichtig ist in den Empfehlungen, dass die verschiedenen Faktoren zu unterschiedlichen Lebenszeiten unterschiedliche Effektstärken zeigen. Z.B. ist es weniger von Bedeutung, wenn ein Mitsiebzigjähriger eine Zuckerkrankheit entwickelt, denn ein 50jähriger. Hieraus folgt: ein Schulungskozept gemäß deutscher Demenz-Strategie erst in 2022 ist viel verlorene Zeit.
  • … keiner der führenden Alzheimer-Forscher glaubt, wir könnten Alzheimer mit nur einem Medikament behandeln? Das Versagen der 20jährigen Forschung offenbarte allen ernsthaften Wissenschaftlern, dass die Ursachen von Demenzen mannigfaltig sind und zudem von Patient zu Patient trotz ähnlicher klinischer Symptomatik höchst unterschiedlich sein können. Die Annahme einer zukünftigen patientenzentrierten Therapie geht folglich, z.B. ähnlich wie in der Behandlung des Bluthockdruck, davon aus, dass mehrere Medikamente benötigt werden. Zudem, bereits vielfach wirksam belegt, sind spezifische Lebensstiländerungen erforderlich, da Umweltfaktoren beeinflussend sind.
  • … ausreichend guter Schlaf – speziell: Tiefschlaf (NON-REM) – benötigt wird, um das Beta-Amyloid, das bei Alzheimer im Gehirn vermehrt abgelagert wird, abzutransportieren? Der Zusammenhang von quantitativ oder qualitativ ungenügendem Schlaf und der Zunahme Alzheimer zu entwicklen ist schon länger bekannt. Neu ist, dass nachweislich bei Gesunden bereits eine schlaflose Nacht zur Anreicherung von Beta-Amyloid führt.
  • chronische Entzündungsprozesse im Gehirn wichtiger ursächlicher Faktor ist? Dies stützt sich unter vielen Merkmalen auch auf den deutlich überdurchschnittlichem Nachweis von Keimen im Gehirn verstorbener Alzheimer-Patienten. Dies belegt, dass das Immunsystem nicht mehr in der Lage ist einfache Keime, z.B. Herpes-Viren, abzuwehren. Auch konnte im Gehirn überraschend ein Keim aus Mundschleimhaut, Porphyromonas gingivalis, gefunden werden, was bestätigt, dass eine gestörte Blut-Hirn-Schranke eine Rolle spielt. Diese verhindert normalerweise bei Gesunden, dass Keime aus der Blutbahn ins Gehirn gelangen.
  • … große Fortschritte in der Suche nach Biomarkern erreicht wurden? Biomarker sind biologische, messbare Stoffe oder Daten, die den Prozess der Alzheimer-Krankheit abbilden und prognostisch in ihrer Aussage sicher sind. Hieran mangelte es bisher. Als großer Meilenstein konnte nun mit einem einfachen Blutserumtest – auf Tau217 – ein offensichtlich viel besserer Marker zur Prognoseabschätzung erfolgreich getestet werden. Dies übertrifft an Genauigkeit bisherige Prognosen, z.B. anhand von Bildgebungen per MRT oder PET. Dieser wird hoffentlich absehbar im klinischen Alltag anwendbar sein. Ich bemühe mich dies anbieten zu können. Wichtig ist hierbei: das aim Hirn abgelagerte Protein Tau, nicht das Beta-Amyloid, bildet den Hirnabbau Jahre vor ersten Symptomen von Hirnleistungsbeschwerden, z.B. Vergesslichkeit, ab.
  • … Menschen mit dem Gen APOE4 als wichtigem genetischem Demenz-Riskofaktor, ca. 25 % der Bevölkerung haben diesen, bereits in jungen Jahren Stoffwechselstörungen im Gehirn zeigen? Dies sind nachweisbare Funktionsstörungen im jungen Erwachsenalter von 20 bis 40 Jahren und folglich lange, mehr als 20 Jahre, bevor die Betroffenen erste Hirnleistungsstörungen bemerken.

Sehr bedauerlich ist, dass dies alles weder ARD noch ZDF eine Nachricht Wert war!