Rufen Sie uns an 0721 83078-771 oder schicken Sie uns eine E-Mail info@praxis-drstienen.de

Tel: 0721 83078-771

Nahrung ist Medizin – für das Gehirn! (Teil 2)

Hier verrate ich Ihnen die Auflösung der Quizfragen aus meinem Text „Nahrung ist Medizin – für das Gehirn“.

Mannigfaltige Ernährungsratgeber predigen viele industriell gewünschte Märchen, Journalisten verstehen keine Studien oder schreiben einfach ab, und selbst Professorenbetitelte von Exzellenz-Universitäten, z. B. eine Frauenärztin, die sich ihrer bemerkenswerten „40-Jahre-Expertise“ rühmt, scheuen nicht vor wissenschaftlichen Unwahrheiten und vor Nonsens zurück. „It is difficult to get an man to understand something, when his salary depends on his not understanding it.“ (Upton Sinclair, Schriftsteller)

Bevor ich die Quizfragen auflöse, möchte ich Ihnen versichern, dass es mir bis vor wenigen Monaten wie Ihnen erging: Heute wird berichtet, etwas sei gesund, doch nur wenige Monate später liest man das Gegenteil. Die Unmenge der sich widersprechenden Ergebnisse wirkt verwirrend. Und auch ich meinte, was mir alle Patienten bei diesem Thema bisher sagten: „Aber ich ernähre mich doch gesund!“

Ich musste die Widersprüche verstehen und die Gründe entdecken, um Ihnen, meinen Patienten, die richtigen Ratschläge geben zu können. Ja, von einigen „Wahrheiten“ musste ich mich nicht nur im genauen Prüfen von Studiendesign und statistischer Auswertung, sondern auch – in guter ernährungswissenschaftlicher Tradition – erst im Eigenversuch überzeugen.

Erkennbar ist, dass diese Widersprüche die besondere Komplexität des Zusammenhangs zwischen Gesundheit und Ernährung dokumentieren. Und hieraus abgleitet geht aus neueren Untersuchnungen immer überzeugender hervor, welch große Unterschiedlichkeiten Menschen – selbst eineiige Zwillinge – bei der Verstoffwechselung von Nahrung aufweisen. So ist es überraschend und nicht erwartet, dass ein Eis oder eine Riesenportion Nudeln bei einer Person nur einen geringen Blutzuckeranstieg bewirkt, während bei einer anderen Person bereits eine einzige Tomate den Blutzucker in die Höhe schießen lässt. Wie so oft gilt: Der Teufel steckt im Detail! Auch deswegen können meine folgenden Ausführungen nur eine kurze Einführung in das Thema sein.

Zunächst die erfreulichen Erkenntnisse:

  1. Mit einer gesunden Ernährung können unbestreitbar viele Erkrankungen gelindert – und sogar verhindert – werden. Ihr Leben kann so bei klarem Geist verlängert werden.
  2. Eine gesunde Ernährung muss individuell auf Ihre Person ausgerichtet sein. Eine 08/15-Diät kann nicht funktionieren.
  3. Jede Ernährungsumstellung ist zugleich eine Änderung des Lebensstils. Sie muss sich an die sich ändernden Bedingungen Ihres Darms (Mikrobiom) und an die Umwelt anpassen. Die Ernährung muss immer verfeinert und nachjustiert werden.

Nun zur Beantwortung der Quizfragen:

1. „Haferflocken sind ein gesundes Frühstück, weil der Cholesterinspiegel sinkt.“

Richtig, aber das ist ziemlich unwichtig!

Denn Haferflocken beinhalten durch den Verarbeitungsprozess oft fast keine Vitamine mehr, besitzen jedoch viele Kohlenhydrate (KH) und haben eine relativ hohe Energiedichte (380 kcal/100 g) und damit einen ungesunden, glykämischen Index und eine hohe glykämische Last. Dies lässt Blutzucker und Insulin in die Höhe schießen und fördert nach wenigen Stunden das Hungergefühl. Studienberichte, die positive Effekte vorweisen, haben z. B. den gesunden Inhaltsstoff, das Beta-Glucan, als Zusatz oder sogar rein gegeben. In anderen Studien aßen die Testpersonen Haferkeime oder -kleie, was gut ist, aber nicht dasselbe ist wie Haferflocken! Oder es wurde – absurd bei Diabetikern – mit der Gabe von Zucker verglichen. Sicher ist auch: Es gibt „schlechtere“ und „bessere“ Getreidesorten.

Aber Sie brauchen sich hierüber nicht den Kopf zu zerbrechen, denn es ist ganz einfach: Sie benötigen kein Getreide, Sie benötigen keine Kohlenhydrate! Wir kennen auch nach Jahren einer „Null Carb“-Ernährung keine daraus resultierende Mangelkrankeit. Der Körper kann alle notwendigen Kohlenhydrate selbst herstellen.

2. „Vermeide Eigelb, weil es den Cholesterinspiegel im Blut erhöht und zu Herzattacken führt.“

Eines der vielen Märchen der Ernährungsberatung betrifft Eier. Viele Menschen glauben: Weil ein Ei bereits fast den gesamten Cholesterintagesbedarf enthalte, müssten Eier strikt begrenzt werden.

Dieser Glaube basiert auf einer Fehlinformation, startend in den 1970er-Jahren, als man Cholesterin zu verteufeln begann. Das Gehirn besteht zu 60 % aus Fett, wovon 25 % Cholesterol sind. Dieses benötigt Ihr Körper, denn ohne Cholesterol können Sie z. B. keine Sexualhormone oder Kortikoide bilden. Das durch die Nahrung aufgenommene Cholesterin führt zu keinem erhöhtem Krankheitsrisiko – eine Erkenntnis, die lange totgeschwiegen wurde, weil sie nicht zur dominierenden Theorie, der Diet-Heart-Theory – ausgehend von Ancel Keys – passte.

Diese nie bewiesene Therorie ist widerlegt! Im Jahr 2015 machten die offiziellen US Ernährungsempfehlungen still und leise die Kehrtwende: Eier sind gesund!

3. „Orangensaft ist ein super Start in den Tag.“

Falsch! Ein Glas Orangensaft ist fast so ungesund wie ein Glas Cola: Es ist eine ähnliche Zuckerbombe.

Und Zucker ist ein reines Gift, das Sie tunlichst aus Ihrer Ernährung völlig streichen sollten. Das Glas Orangensaft besitzt auch nur magere 40 mg Vitamin C. Damit erreichen Sie gerade 20 % der offiziell empfohlenen Tagesmenge. Dies sind Leitlinien, die die Bedeutung von Vitamin C bagatellisieren.

Wenn Sie Vitamin C zu sich nehmen möchten, essen Sie bitte ganze Früchte. Obst beinhaltet neben Vitamin C auch wichtige Ballaststoffe, die wir viel zu wenig essen, obwohl sie unsere Darmkeime (Mikrobiom) dringend benötigen und sie das Sättigungsgefühl befördern.

4. „Rotes Fleisch ist ungesund; es verursacht Krebs und Herzkrankheiten.“

Rotes Fleisch wird verunglimpft, weil es angeblich viel gestättigte Fettsäuren beinhalte, die direkt in die Herzgefäße gingen und diese verstopften. Dies ist völliger Nonsens!

Immer klarer wird: Weder das Fleisch, noch diese Fette sind ein Feind. Bei der Auswertung vieler Studien wird übersehen, dass Menschen, die viel Fleisch essen – meist Männer – einen ungesunden Lebensstil pflegen, oft rauchen, zuviel Alkohol trinken und sich wenig bewegen. Beachtet man dies, ergibt sich kein Zusammenhang zwischen Fleisch, Sterblichkeit und Gefäßerkrankungen.

Sogar das Gegenteil trifft zu: Die Aufnahme aller Fette ist mit einer geringeren Sterblichkeit verbunden. Und noch überraschender: Die hohe Zufuhr von vermeintlich „bösen“ gestättigten Fetten führt zu weniger Schlaganfällen.

„Bad guys“ sind industriell verarbeitetes Fleisch und hydrogensierte Trans-Fette. Natürliches Fleisch ist ein guter Lieferant für Proteine, B-Vitamine und Eisen. Dies ist aber keine Aussage bezüglich Qualität, Umweltgesichtspunkten oder ethischen Aspekten!

5. „Fettarme Diät ist der beste Weg, um Gewicht abzunehmen.“

Inzwischen ist man sich über die zugrundeliegende Ursache der weltweiten Epidemie von Übergewicht ziemlich einig. Es ist eine Störung des Insulins, des „Fettaufbewahrungshormon“. Dieses wird benötigt, um Fett für schlechte Zeiten einzuspeichern. Wenn Sie die falsch propagierten Diätregeln befolgen und wenig Fett essen, führt dies zwingend zu hoher Kohlenhydrataufnahme, zu kranker Hunger- und Sättigungsgefühlregulation und – entscheidend – zu chronischer Insulinüberproduktion. In mehr als 30 Studien wurde diese „low fat“-Diät mit einer „high fat“-Diät verglichen: Immer war es die „high fat“-Ernährung, die zu angestrebter Gewichtsabnahme führte: Fett zu essen macht eben nicht fett! Fette führen dazu, dass der Körper mehr Energie verbrennt, Kohlenhydrate hingengen bewirken, dass er weniger verbrennt!

6. „Glutenfreie Produkte sind gesund.“

Wenn „glutenfrei“ auf der Packung steht, bedeutet es nicht automatisch, dass der Inhalt gesund ist. Im Gegenteil: Industriell hergestellte Produkte, mit „glutenfrei“ als vermeintlich gesund werbend, beinhalten oft Zucker sowie weitere Kohlenhydrate mit ungesundem hohem glykämischen Index, Bindemittel oder andere Zusatzstoffe. Glutenfreie Kekse oder Kuchen sind und bleiben ungesund. Die Getreidesorten ändern nur wenig am ungesunden glykämischen Index und an glykämischer Last.

Wichtig ist es, zu verstehen, dass das Essen vieler Kohlenhydrate kein befriedigendes Sättigungsgefühl bewirkt; nach wenigen Stunden kommt das Hungergefühl wieder. Kennen Sie das mittägliche Magenrumoren trotz morgendlicher Müsliriesenportion?

7. „Um Gewicht zu reduzieren, sollte man weniger essen und mehr Sport treiben.“

Gerne gibt man den Übergewichtigen die Schuld an ihrem Übergewicht: Alles Versager! Sie sollen weniger essen und sich mehr bewegen, heißt es lapidar.

Dieses Vorurteil basiert auf der falschen Therorie, dass z. B. 1.000 kcal Cola das Gleiche wie 1.000 kcal Mandeln wären, dass also eine Kalorie gleich einer Kalorie wäre! Doch dies ist lediglich Propaganda. Wer Kalorien zählt, hat nichts begriffen: Kohlenhydrate lassen Blutzucker und Insulin mehr oder weniger in die Höhe schießen, während Fette dies nicht tun. Fette führen zu einem höheren, Kohlenhydrate zu einem geringeren Energieverbrauch. Keine dieser Studien (low fat plus caloric restriction) zeigte langfristig Erfolg. Es wird die Physiologie außer Acht gelassen, dass langes kalorisches Zügeln zu verstärtem Hunger führt!

Zudem gilt: „You can’t run out a bad diet!“ Sie schaffen es nicht – auch nicht durch Marathonlaufen -, langfristig durch Sport Gewicht zu reduzieren, wenn Sie einer ungesunden Ernährung mit vielen Kohlenhydraten folgen. Es ist ein weiteres Märchen!

8. „Milch ist natürliche, perfekte Nahrung; sie ist gut für Kinder, baut Knochen auf und verhindert Brüche.“

Kuhmilch ist ein perfektes Nahrungsmittel aus der Natur – aber leider nur für Kälber! Denn Milch fördert weder gesunde Knochen, noch verhindert sie Knochenbrüche. Sie bewirkt durch die vielen (ca. 60) beinhalteten Hormone eine Zunahme des Prostatakrebsrisikos. Konsumenten der angepriesenen Kuhmilchprodukte müssen mit höherem Lungen-, Dickdarm- und Eierstockkrebsrisiko rechnen. Die als besonders gesund propagierte fettarme Milch bewirkt eine Gewichtszunahme bei Jugendlichen und Erwachsenen.

Der einfache Rat lautet: Verzichten Sie auf Kuhmilch!

Ich sage an dieser Stelle nichts über hormon-, antiobiotika- und GMO-Soja-gemästete Kühe und deren Milch!

9. „Vermeide Butter, weil sie zu viele gesättigte Fette enthält und zu Herzkrankheiten führt.“

Nein, richtig ist: „Butter is back!“

Fette von Milchprodukten wie Butter, die 60 % gesättigte Fettsäuren enthält, reduzieren das Diabetes-mellitus-Risiko und zeigen keinen Zusammenhang mit Herzerkrankungen oder erhöhter Sterblichkeit.

Bemerkenswert ist, dass dieser Zusammenhang in den 1970er-Jahres bereits als „French-Paradox“ bekannt war: Die französische Küche arbeitet mit vielen gesättigten Fetten und viel Butter – und die Konsumenten weisen eine geringere Herzerkrankungsrate und ein höheres Durchschnittsalter auf. Ja, auch dies ist ein unbequemes Resultat für die Forscher: Eine Ernährung mit hohem Anteil gesättigter Fettsäuren statt der „angebeteten“ ungestättigten Fettsäuren führte zu einer verringerten Zunahme der Arteriosklerose der Herzgefäße. Die Epidemie Übergewichtiger, in den USA beginnend Mitte der 1970er, geht parallel mit einer Verbrauchsabfall von Butter und Schmalz um 39 %.

Einfach gesprochen: Wenn Sie natürliche, gesättigte Fette durch vielfach ungesättigte Fette ersetzen, wird dies zu keinem gewünschten Erfolg führen.

Einschränkend sei angemerkt: Alles ist eine Frage der Menge! Und ich sage nichts zu z. B. Kefir oder Omega-3-Fettsäuren.

10. „Aus Pflanzen hergestellte Öle sind besser als Butter.“

Außer den jahrtausendalten Ölen, vor allem Olivenöl, sind die heute überwiegend gebrauchten Pflanzenöle (z. B. Soja-, Sonnen-, Distel-, Erdnuss- und Maiskeimöl) eine Erfindung, die Ende des 19. Jahrhunderts datiert.

Der Verbraucher wird am Nasenring durch die Arena geführt, ohne es zu bemerken, glaubend: pflanzlich = „grün“ = nicht-tierisch = gesund!

Der Verbrauch dieser Fette wurde vertausendfacht. Pflanzenöle – auch Margarine – enthalten zwar oft viele ungesättigten Fettsäuren, aber eben Omega-6-Fettsäuren und (fast) keine Omega-3, die antientzündlich wirken.

Im Gegensatz dazu führen Omega-6-Fettsäuren zu einer chronischen Entzündung. Wahrscheinlich sind diese subjektiv meist nicht bemerkbaren chronischen Entzündungen das entscheidende Fundament aller chronischer Wohlstandskrankheiten – und erhöhen Alzheimer, Sterblichkeit und Herzerkrankungsrate.

Richtig ist: Wir benötigen beide Fettarten, aber eine gesunde Ernährung ist 1:1 ausgewogen. Aktuell besteht jedoch die typische, ungesunde Ernährung ungefähr aus einem 1:15-Verhältnis.

Übrigens beurteilte die Stiftung Warentest 2016 die Hälfte der Olivenöle mit „mangelhaft“. 2017 sah es nicht besser aus, und 2018 waren auch nur 4 von 27 „gut“.

Zuletzt erlauben Sie mir bitte eine persönliche Anmerkung: Nach etwa einem Jahr, dem Lesen von mehr als 30 Büchern und mehreren 100 Artikeln und Studien zu diesem Themenfeld stelle ich mit gewisser Ernüchterung fest: Nur in der Ausnahme sind heutige Forscher an der Wahrheit interessiert.

Zwar lese ich seit drei Jahrzehnten mit gesunder Skepsis Studien, aber über das Ausmaß der Manipulationen bin ich doch erschrocken! Die hoch angesehene „Evidence-based Medicine has been hijacked“. Eine Flut von Artikeln und Studien wird produziert, um gezielte wirtschaftliche Interessen zu verbreiten, Resultat ist ein „Chaos medizischer Fehlinformationen“. Gerade einmal ca. 5 % der Studien erfüllen die erforderlichen Qualitatätskriterien und haben eine klinische Relevanz.

Man muss von „Mafia-Methoden“, „Omenta“, gezieltem Kaltstellen und öffentlichem Verunglimpfen bei Ungewünschtem sprechen. Das sind keine Worte, die ich in diesem Zusammenhang erfunden habe. Upton Sinclair spürte diese „Methoden“ bereits. Theodore Roosewelt bezeichnete ihn als „Muckracker“ (Schmutzaufwühler), um ihn mundtot zu machen, was aber misslang.

Sie sind skeptisch über diese drastischen Worte? Gut, dann sind Sie vielleicht bereit zu lesen: z. B. Tim Noakes, Robert Lustig) oder Nina Teichholz).

Wir werden der Komplexität diese Gebietes nicht ohne Anwendung hoher Standards gerecht werden. Und wissenschaftliches Arbeiten erfordert Ehrlichkeit und Redlichkeit, zu forschen z.B. im Geiste von Richard Feynman, der am Ende seiner Aufklärung der Challenger-Katastrophe 1986 schrieb: „Eine Technik kann nur dann erfolgreich sein, wenn Wirklichkeitssinn vor Werbung kommt, denn die Natur lässt sich nicht betrügen“

Menü